Doris Libiseller wurde in Wolfsberg geboren und wuchs in der Gemeinde
St. Georgen im Lavanttal auf. Nach der Ausbildung an der Landesfachschule für Keramik und Ofenbau im burgenländischen Stoob ist sie - nach einigen Arbeitsjahren in der Keramikindustrie - seit 1993 als freischaffende Künstlerin tätig.
Doris Libiseller lebt und arbeitet heute im niederösterreichischen Berndorf.
Wie eine Archäologin erscheint Doris Libiseller, weil ihre Formenwelt den Eindruck vermittelt, als wären ihre Objekte aus dem Erdreich einer Fundstelle herausgeschält - archaisch und archetypisch - wie "Symbole aus dem kollektiven Unbewussten, aus Urerlebnissen, die uns allen gemeinsam sind" (Dietburga Huber).
Doris Libiseller kennt als ausgebildete, versierte Keramikerin alle Möglichkeiten des Handwerkes. Das Experiment und die kreative Suche nach immer neuen Wirkungen gehören zu ihrem künstlerischen Selbstverständnis. Die archaische Anmutung ihrer Arbeiten gelingt, indem unglasierte Stellen durch Reduktionsbrand die typisch dunkle Färbung erhalten und vor allem Rauch und Feuer nach mehrtägigen Prozessen die Oberfläche der Figuren und Objekte "zeichnen"; der Einsatz von Metallsalzen lässt eine intensive Farbgestaltung zu und gibt dem Arbeitsprozess die gewünschte
experimentelle Dimension.
So bestimmt nicht das Berechenbare und die Konstruktion ihre Arbeiten, sondern di Dynamik eines Kräftespiels, das Material als Prozess, veränderbar und sich verändernd, begreift. Doris Libiseller verfolgt ihr zentrales Ziel konsequent: Sie zeigt die bildhauerische Komponente des Materials Ton auf, die Keramik ist dabei Mittel zum Zweck.
In der Beschäftigung mit der menschlichen Figur verleiht Doris Libiseller ihrer Version des Menschenbildes als Doppelnatur Ausdruck. Die Figuren zeigen sich spannungsvoll, seltsam gekrümmt, geschnürt, partiell durchlöchert und aufgerissen: menschliche Existenz kommt wie ein künstlerisch geformter Schrei eindrucksvoll zur Gestalt. Die angedeutete Ambivalenz vermittelt ein In-sich-Ruhen ihrer figurativen Arbeiten in scheinbarer Opposition zur Außenwelt, wobei den Momenten tiefster Tragik auch der Glauben an das Wiederauferstehen innewohnt.
Doris Libiseller befindet sich künstlerisch in einem sehr bemerkenswerten Prozess. Neben der menschlichen Figur bestätigen die geschlossen und klar gestalteten, nicht-figurativen "Urformen" ihre neue Formensprache: Scheiben, Schilder und volumhaft gestaltete Kegel, insbesondere aber auch Horn-, Polster- und Zahnobjekte sowie Fruchtstäbe.
Besonders faszinieren die Polster-Objekte - die intensiv wahrnehmbare Oberflächengestaltung mag Assoziationen an Gotthard Graubner auslösen -, die trotz der Härte des Materials die Illusion einer weichen, tröstlich aufnehmenden Ausstrahlung und Farbigkeit besitzen: ideale Pölster, um Erfahrungen und Ängste zu betten, im behüteten Tiefschlaf gelegentlich mit den "Zähnen" zu knirschen, um dann, mit nachlassender Empfindung von Endlichkeit, umso kräftiger wieder ins "Horn" zu stoßen. So führt die Künstlerin zu den archteypischen Grundformen der menschlichen Existenz, dem Werden, Sein und Vergehen.
Doris Libiseller vermag dies alles überzeugend mit ihrem künstlerischen Inventar und ihren Gestaltungsmöglichkeiten zu begleiten.